Frauen in Führung: Frauen und Technik

Artikel aus "Wirtschaft" der IHK Schleswig-Holstein, Ausgabe Juli/August 2019
 
Frauen in der IT sind immer noch Exotinnen. Warum ist das so? Und wie kann man das ändern? IT-Profis berichten, wie sie sich in der männerdominierten Branche durchgesetzt haben - oder es noch tun werden.
Frauen und Technik - das passt halt nicht. So das lang gepflegte Vorurteil. Allerdings sprechen auch die Zahlen eine ähnliche Sprache. Laut Bundesagentur für Arbeit lag der Frauenanteil in Informatikberufen 2017 unter 17 Prozent.
Auch der Anteil von Frauen in MINT-Studienfächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ist nach wie vor gering. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Wintersemester 2017/18 in der Informatik nur rund 18 Prozent der Studierenden weiblich.© IHK/Brüggemann Von links: Sonja Patzlaff und Doris Weßels diskutierten mit ...

"Eigentlich beginnt das Problem sogar noch früher", berichtet Dr. Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Projektmanagement an der Fachhochschule Kiel und zweite Vorsitzende des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH e. V.) des schleswig-holsteinischen Clusters der digitalen Wirtschaft. Regelmäßig macht sie an Schulen Werbung für den Studiengang Wirtschaftsinformatik. "Dabei haben tatsächlich zwei Mädchen zu mir gesagt, dass sie sich zwar für IT interessieren, es aber nicht studieren werden, weil sie sonst keinen Freund bekommen."

 Die Geschlechterbilder der Gesellschaft sitzen tief. Ähnliche Eindrücke kennt Professorin Dr. Isabella Peters vom Arbeitsbereich Web Science an der "Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft" in Kiel sowie an der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel. "Bei den ausländischen Studierenden ist der Frauenanteil auf jeden Fall größer. Deswegen denke ich, dass die deutsche Kultur eine Rolle spielt", so die erste weibliche Hochschullehrerin der ZBW.

Weibliche Vorbilder© IHK/Brüggemann ... Lara Bieler, Paula Bräuer und Regine Schlicht

"Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen die Vorurteile auflösen", hebt Regine Schlicht hervor. Sie ist die Fachgruppenleiterin von Frauen@DiWiSH. Seit 2016 setzt sich DiWiSH dafür ein, dass es verpflichtenden Informatikunterricht an den Schulen gibt. "Dann können die Jugendlichen sich direkt mit dem Thema beschäftigen. Echte Erlebnisse bauen am besten Vorurteile ab", so Schlicht.
Auch Lara Bieler und Paula Bräuer sind eher zufällig zu ihrem Informatikstudium gekommen. Erst hatte Bieler ein Schnupperstudium in den Herbstferien gemacht, dann beim Projekt One-Week-Student eine Woche Paula Bräuer begleitet. Als Bräuer ihr Wirtschaftsinformatikstudium begann, waren von den 45 Erstsemestern gerade mal drei weiblich. "Und die anderen beiden sind nach kurzer Zeit zu BWL gewechselt", erinnert sich Bräuer.
Deswegen habe sie unbedingt anderen Frauen zeigen wollen, dass IT nicht nur ein Männerberuf ist. "Das ist genau der Punkt: Frauen brauchen weibliche Vorbilder", bestätigt Sonja Patzlaff. Die Masterarbeit der BWL-Studentin und vierfachen Mutter behandelt die Themen "Unternehmensgründung mit Kindern" und "Unternehmensgründung ab 40". "Für die gesamte Wirtschaft ist es extrem wichtig, dass es mehr Frauen in der IT gibt. Aktuell entwickeln oft reine Männerteams Produkte für alle. Das funktioniert nur bedingt. "
Auch Professorin Doris Weßels bestätigt das: "Ich habe viele Anfragen von Unternehmen, die explizit weibliche IT-Profis suchen. Wir müssen Frauen Mut machen, ihrer Leidenschaft zu folgen!"

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