Hype um Clubhouse: Was Medien- und Digital-Profis von der Social-Audio-App halten

Die App Clubhouse sorgt gerade nicht nur für jede Menge Aufsehen – sondern auch für Gesprächsstoff! Wir haben Entscheider*innen aus der Medien- und Digitalwirtschaft gefragt, was sie von Clubhouse halten.

Falls ihr es nicht mitbekommen habt: Am Wochenende sind die Nutzerzahlen der Social-Audio-App Clubhouse in Deutschland geradezu explodiert. Auf der Plattform können Nutzer*innen sich in Voice-Chatrooms zusammenfinden und über vorher festgelegte Themen diskutieren. Das dahinterstehende Start-up wurde schon im März 2020 von zwei Ex-Google-Mitarbeitern gegründet. Nun ist der Hype auch in Deutschland angekommen. Aber ist der Trubel um die Social-Audio-App gerechtfertigt? Welches Potenzial birgt sie für Unternehmen und Persönlichkeiten?

Nichts für die Ewigkeit

„Clubhouse zeigt, wie schnell völlig neue Plattformen die Medien-Lichtung erobern und die bisherigen digitalen Hirsche auch möglicherweise verdrängen. Es bewahrheitet sich mal wieder die Weisheit: Nichts ist für die Ewigkeit – am allerwenigsten in der digitalen Welt!“ - Kai Diekmann, Journalist

Die Plattform stillt Sehnsüchte, die wir von analogen Veranstaltungen vermissen

„Die Plattform hat einen Nerv getroffen: die Sehnsucht nach Zufälligkeit. All das, was wir auf analogen Veranstaltungen erlebt haben: zufällig mit Menschen in einem Raum zu sein, ins Diskutieren und Vernetzen zu kommen, all diese Sehnsüchte werden gestillt. Der Erfolg der App wird sich nicht daran zeigen wie sie ist, sondern wie sie sich entwickelt! Themen wie Inklusion, Teilhabe, Hate-Speech, Monetarisierungsmodell, Werbung, werden über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.“ - Tijen Onaran, Gründerin & Geschäftsführerin, Global Digital Women

In den USA ist Clubhouse eine App für Investoren

„Die Nutzung von Clubhouse dürfte in den nächsten Wochen wieder abflachen, weil der Hype aktuell einfach sehr groß ist. Das erlebe ich auch an mir: Ich habe die App nun einige Tage genutzt und bin schon wieder etwas durch damit. Denn die Inhalte, um die es in der App letztendlich geht, sind nur selten richtig gut. Es ist mehr die Erfahrung und daran wird man sich gewöhnen.
In den USA, wo die App schon vor einem Jahr erschienen ist, gehören die größten Accounts heute großen Startup-Investoren oder Venture-Capitalisten. In der Gründerszene hat sich Clubhouse dort etabliert, aber für Sportler, Musiker oder Politiker spielt die App zumindest bislang keine große Rolle. Erfahrungsgemäß läuft es in Deutschland oftmals ähnlich wie in den USA. Ob es am Ende darüber hinausgeht, wird die Zeit zeigen.“ - Philipp Westermeyer, Gründer & Geschäftsführer, Online Marketing Rockstars

Die App vereint zwei große Trends der Mediennutzung

„Das Potential der App ist enorm, hier kommen viele Faktoren zusammen: Die App vereint zwei große Trends der Mediennutzung, zum einen Live-Formate (Live Roll outs zuletzt bei Instagram und Linkedin) und Audio-only Inhalte (wie Podcasts). Zusätzlich entsteht ein großer Community-Charakter durch geschlossene Räume und die Möglichkeit, aktiv mitdiskutieren zu können. Aber das wird langfristig nur für die funktionieren, die auch Gespräche mit Mehrwert liefern und den neuen Kanal nicht nur zur reinen Selbstdarstellung nutzen.“ - Ann-Katrin Schmitz, Influencerin, Social-Media-Beraterin und Podcasterin

Die Mischung aus Live-Podcast und Live-Event trifft einen Nerv

„Nur eine kleine Nische oder das nächste Instagram – das weiß keiner zum jetzigen Zeitpunkt. Was aber schon klar ist: Gäbe es so gar kein Bedürfnis für eine Plattform wie Clubhouse, wäre die Begeisterung rund um die Welt nicht so groß. Die Mischung aus Live-Podcast und Live-Event zusammen mit einer starken Community trifft einen Nerv, gerade in Zeiten von Corona.
Es gibt aber auch kritische Themen, die schon diskutiert werden und die man nicht außer Acht lassen darf, zum Beispiel, wie Clubhouse mit Mitschnitten, Datenschutz und Hate-Speech in Gesprächsrunden umgeht. Ganz zu schweigen von der Monetarisierung, siehe Twitter. So oder so wird Clubhouse noch viel von sich hören lassen.“ - Bernd Hellermann, Geschäftsführer G+J Digital

 

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