10. Digital Challenge: Wenn Studierende Geschäftsmodelle neu denken
Beitrag von Emely Unger, Kommunikationsmanagerin bei der DiWiSH
Zehn Jahre Innovationssprint: Das ist die Digital Challenge
Wie sähe das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens aus, wenn man es heute neu erfinden würde? Genau diese Frage beantworten Studierende bei der Digital Challenge. In diesem Jahr findet das Format zum 10. Mal statt. Es ist längst eine feste Größe im Land und ein Beispiel dafür, wie Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Neues anstoßen.
Die Digital Challenge 2026 wird von The Bay Areas e.V., KI.SH und DiWiSH gemeinsam mit Hochschulen in Schleswig-Holstein veranstaltet.
Schirmherr ist auch in diesem Jahr erneut Digitalisierungsminister und Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter.
So funktioniert das Format
Unternehmen aus Schleswig-Holstein lassen von Studierendenteams digitale Lösungen für aktuelle Herausforderungen ihrer Geschäftsmodelle entwickeln. Das Ziel ist ein Modell, mit dem ein Unternehmen seine Marktposition zukunftsorientiert neu definieren und die Beziehung zu seinen Kund*innen durch digitale Technologien verbessern kann.
Die Teams bleiben dabei nicht bei einer Skizze stehen. Sie erarbeiten ein tragfähiges Geschäftsmodell und beschreiben erstmals, wie die Innovation funktionieren könnte, damit sich ihre Machbarkeit prüfen lässt. Ein Board aus Expert*innen bewertet beides. Im Format 2025 gehörten dazu beispielsweise Nutzenversprechen, Daten- und KI-Einsatz sowie ein grober Business Case. Den Abschluss bildet ein das Finale mit Team-Pitches, Jury-Feedback und Networking, welches auch in diesem Jahr wieder in der IHK zu Kiel stattfinden wird.
Die Studierenden bekommen direkten Zugang zu den Unternehmen. Zusätzlich gibt es Coachings, beispielsweise von Mitveranstalter KI.SH zu Vibe-Coding. Beteiligt sind Hochschulen aus dem ganzen Land, 2026 konkret die CAU Kiel, HAW Kiel, die Hochschule Flensburg und die FH Westküste.
Die Digital Challenge 2026 im Überblick:
Zeitraum: 28.10. bis 06.11.2026
- Mittwoch, 28.10.: Kick-Off der Digital Challenge an den jeweiligen Standorten, Kennenlernen zwischen teilnehmenden Studierenden und beteiligten Unternehmen, Vorstellung der zu lösenden Challenges
- Mittwoch, 04.11.: Bergfest der Digital Challenge mit Zwischenpitches vor dem Board, letztes Feedback vor dem finalen Pitch
- Freitag, 06.11.: Finale der Digital Challenge mit Präsentation der finalen Pitches aller Teams, Juryfeedback und Siegerehrung im Haus der Wirtschaft der IHK zu Kiel
- Frühjahr 2027: Post-Event zur Digital Challenge (Netzwerktreffen mit Vertretenden aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie Alumni der Digital Challenge
Von Kiel nach San Francisco: der Hintergrund
Hinter der Digital Challenge steht The Bay Areas e.V. mit Sitz in Kiel.
Der Verein verbindet Menschen, Organisationen und Netzwerke in den Regionen San Francisco, Kiel und Schleswig-Holstein. Die Grundlage ist die Städtepartnerschaft zwischen Kiel und San Francisco. Sie zielt unter anderem auf Zusammenarbeit in Innovation, Bildung und Wissenschaft.
Der Austausch ist dabei mehr als ein Etikett.
In diesem Jahr kooperieren die Studierendenteams aus Deutschland auch mit Teams der San Francisco State University und arbeiten so gemeinsam an ihren Lösungen. Die Erfahrung zeigt: Mit dem richtigen Umfeld entstehen mehr neue Ideen und sie werden eher Realität. Genau dieses Umfeld will die Digital Challenge im Norden schaffen. Sie bringt Unternehmen, Hochschulen und junge Talente zusammen und lässt unkonventionelles Denken zu.
Was dabei herauskommt: Erfolgsgeschichten
Die Digital Challenge ist für viele Beteiligte mehr als eine Projektwoche.
Zwei Beispiele zeigen, wie daraus Gründungen und Karrieren entstehen können.
Von der Challenge zur Gründung: Holo Dynamics
Lennart Leopold nahm 2023 als Student der Dualen Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH) an der Digital Challenge teil – und gewann mit seinem Team. Die Challenge war für ihn der Anfang, denn im Anschluss an die Challenge verfolgten er die Idee (damals noch gemeinsam mit Adrian Frenz) weiter. Im Dezember 2023 testeten sie auf der „IDA User Group“, ob das Problem wirklich einen Bedarf trifft. Dabei halfen Prof. Malte Prieß und Marian Himstedt, damals beide an der DHSH. Es folgten Gespräche mit DiWiSH-Mitglied IDALABS über eine mögliche Zusammenarbeit.
Im März 2024 wechselte Lennart dann während seines dualen Studiums zu IDALABS.
Ziel war es, möglichst schnell viel Branchenwissen aufzubauen.
Im September 2024 schloss er seinen Bachelor ab, im Oktober 2024 wurde die Holo Dynamics GmbH gegründet.
Das Ziel des Unternehmens: Der langwierige, unpersönliche Vertriebsprozess von Fensterbauunternehmen soll zu einem digitalen Kundenerlebnis werden und bis zu 75 % des Zeitaufwands einsparen.
Heute hat Holo Dynamics vier Mitarbeitende und das Geschäftsfeld auf Tischlereien sowie Metallbauer erweitert.
Vom Teilnehmer zum Mitarbeiter: Niklas Niemann bei Heidelberg
Niklas Niemann kennt die Challenge sogar aus beiden Perspektiven. Er nahm 2020 bei der ersten Teilnahme der Heidelberger Druckmaschinen AG als Student teil. Aufgrund von Corona lief alles remote, und er arbeitete etwa 14 Tage im Team mit. Am Ende belegten sie den 2. Platz.
Das Unternehmen bot ihm im Anschluss ein Praktikum an, eine gute Gelegenheit, denn in seinem Masterstudium war ohnehin ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Er blieb als dualer Student und schrieb seine Masterarbeit dort. Heute arbeitet er weiterhin bei Heidelberg. Als das Unternehmen zum zweiten Mal mitmachte, begleitete er die Challenge diesmal von der Unternehmensseite.
Die Aufgabe damals: Wie können Kunden besser mit der Heidelberg-Software Prinect arbeiten? Die Software ist so umfangreich, dass man fast eine Ausbildung braucht, um sie zu durchdringen. Die fünf Teammitglieder entwarfen disruptive Ideen.
Heidelberg fand die Idee spannend und arbeitet mit einigen Anteilen daraus auch weiter. Nicht alles ließ sich übertragen, denn die Kunden von Heidelberg sind Druckereien, die untereinander im Wettbewerb stehen.
Aus Studierendensicht beschreibt Niklas Niemann das Format als intensiv, aber überzeugend. Das Team kannte sich vorher nicht, trat gegen ein anderes an und arbeitete freiwillig mit riesigem Drive. Unternehmen, die überlegen mitzumachen, empfiehlt er die Challenge als Chance, junge Talente kennenzulernen. Studierende schauen mit einem anderen Blick auf das Unternehmen, weil sie nicht so eingefahren sind. Ein Blick von außen sei wertvoll.
Was die Beteiligten mitnehmen
Unternehmen erhalten neue Impulse für ihr Geschäft und lernen Methoden der digitalen Transformation kennen. Sie kommen mit talentierten Studierenden und Hochschulen in Kontakt und können sich als attraktive Arbeitgeber zeigen.
Studierende arbeiten an realen Herausforderungen in interdisziplinären Teams und erhalten Zugang zu Führungskräften. Sie sammeln Referenzen für spätere Bewerbungen und haben die Chance, ihr Konzept tatsächlich umzusetzen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Arbeit mit einer wissenschaftlichen Seminararbeit zu verknüpfen.
Warum DiWiSH dabei ist
Als Cluster Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein verfolgt DiWiSH mit der Digital Challenge vier Ziele:
- Wirtschaft und Wissenschaft verknüpfen: Unternehmen und Hochschulen arbeiten in einem konkreten Projekt zusammen und bleiben danach oft im Kontakt.
- Digitale Themen stärken: Die Challenge macht sichtbar, was Digitalisierung und KI im Mittelstand praktisch bedeuten.
- Innovationen fördern: Ideen werden entwickelt, getestet und bewertet. So entstehen klare nächste Schritte für die Umsetzung.
- Nachwuchs in die Region holen: Studierende lernen Arbeitgeber aus Schleswig-Holstein kennen und sehen, welche Perspektiven es hier gibt.
Wir freuen uns gemeinsam mit The Bay Areas und KI.SH riesig auf die Digital Challenge 2026!