Digitalisierungspreis 2026: Diese Projekte wurden ausgezeichnet
Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat am 23. September 2026 den Digitalisierungspreis verliehen. Insgesamt wurden sieben digitale Projekte mit einem Gesamtpreisgeld von rund 95.000 Euro ausgezeichnet, darunter Innovationen aus Landwirtschaft, Medizin, Handwerk, Umwelt und Bildung. Wie in den Vorjahren setzte sich die Jury aus Vertreter*innen der Landesregierung, des Städteverbands, des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz und der Digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein zusammen. Für Letztere war unser Clusterleiter Dr. Johannes Ripken als eine von mehreren Stimmen im Gremium vertreten. Der Wettbewerb wird seit 2018 jährlich ausgetragen und verzeichnet von Jahr zu Jahr mehr Bewerbungen – ein Zeichen dafür, wie hart umkämpft und anspruchsvoll die Auswahl inzwischen ist. Wir stellen alle Preisträger*innen vor und werfen dann einen genaueren Blick auf drei Projekte aus unserem Netzwerk.
Alle sieben Preisträger*innen auf einen Blick
1. Platz – 25.000 Euro: Silolytics (Kiel). Das Start-up hat eine Sensor- und Softwareplattform für die smarte Futterproduktion entwickelt, die während der Silageherstellung detaillierte Informationen über Menge und Material im Silo liefert, damit möglichst wenig Futter verdirbt.
2. Platz – 15.000 Euro: anymize (Kiel). Die Plattform ermöglicht Unternehmen mit strengen Datenschutzregeln die Nutzung von KI-Modellen, indem sie sensible Daten automatisch anonymisiert.
3. Platz – 10.000 Euro: Revolvie (Kuden). Die Software hilft kleinen Unternehmen, besonders im Handwerk, Angebote realistisch zu kalkulieren und schnell zu erkennen, ob ein Auftrag profitabel ist.
Sonderpreis Green Coding – 25.000 Euro: PROGEEK (Wees). Ausgezeichnet für ihr System Green Ecolution zur Steuerung der Bewässerung kommunaler Grünflächen mit Echtzeit-Bodensensoren und optimierten Bewässerungsrouten.
Sonderpreise Bildung – je 6.500 Euro: Dentability Institut (Köhn), edaira (Kiel) und Softstack (Flensburg).
Rückblick: wachsender Wettbewerb, langfristige Erfolgsgeschichten
Der Digitalisierungspreis hat sich über die Jahre zu einem der sichtbarsten Gütesiegel für die Digitalwirtschaft im Land entwickelt und einige frühere Preisträger*innen zeigen, wie nachhaltig eine Auszeichnung wirken kann.
Die Univelop GmbH aus Itzehoe etwa gewann bereits 2023 mit ihrer No-Code-Plattform den ersten Platz und ist seither von einem kleinen Start-up zu einem Team von über 20 Mitarbeitenden gewachsen – mit Referenzen wie dem Wacken Open Air und den Stadtwerken Steinburg. Auch die Splitbot GmbH aus Lübeck, die 2025 mit ihrem KI-Assistenten KOSMO den ersten Platz belegte, hat seither deutlich an Fahrt aufgenommen: Digitalisierungsminister Dirk Schrödter verwies bei der diesjährigen Preisverleihung darauf, dass KOSMO jetzt auch als Pilotprojekt in der Landesverwaltung erprobt wird. Und bereits 2022 wurde die IDALABS GmbH & Co. KG für ihre ERP-Plattform IDA mit dem Digitalisierungspreis ausgezeichnet. Wie viel Dynamik in der damals prämierten Idee steckte, zeigt die beeindruckende Entwicklung seither: Mit dem Rückenwind der Auszeichnung hat IDALABS seine Plattform konsequent weiterentwickelt und im Markt etabliert. Heute begleitet IDA bereits mehr als 4.000 aktive Nutzer durch ihren Arbeitsalltag und vereint die zentralen Geschäftsprozesse von Handwerksbetrieben – von der Auftragsabwicklung über die Projektsteuerung bis hin zum Personalmanagement – in einer einzigen digitalen Plattform.
Diese Beispiele machen deutlich: Der Digitalisierungspreis ist nicht nur eine Ehrung und ein Boost für mehr Sichtbarkeit, sondern oft auch der Startpunkt für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.
Drei Projekte aus unserem Netzwerk im Detail
Unter den diesjährigen Preisträger*innen finden sich auch drei Unternehmen, die wir als Teil der digitalen Community in Schleswig-Holstein begleiten:
PROGEEK, anymize und Softstack. Wir freuen uns über ihren Erfolg und stellen ihre Projekte im Folgenden näher vor.
- PROGEEK: Sonderpreis für nachhaltige Bewässerung (25.000 Euro)
Den mit 25.000 Euro dotierten Sonderpreis für umweltfreundliche Entwicklungen erhält die PROGEEK GmbH aus Wees bei Flensburg. Ausgezeichnet wurde das Projekt „Green Ecolution“ – ein smartes Grünflächenmanagement, das PROGEEK gemeinsam mit der Stadt Flensburg und der Hochschule Flensburg entwickelt hat.
Die Lösung funktioniert in drei Schritten: Bodenfeuchtesensoren erfassen in 30, 60 und 90 Zentimetern Tiefe Feuchte und Temperatur und übertragen die Werte energieeffizient per LoRaWAN.
Ein Ampelsystem auf einer digitalen Karte zeigt dem Technischen Betriebszentrum Flensburg auf einen Blick, welche Bäume und Grünflächen akut Wasser brauchen.
Aus diesen Daten berechnet die Plattform automatisiert optimierte Bewässerungsrouten, unter Berücksichtigung von Wasserkapazität, Fahrzeuggröße und Straßenrestriktionen.
Besonders bemerkenswert: Die Software ist quelloffen (AGPL-3.0) und für Kommunen lizenzkostenfrei nutzbar, finanziert unter anderem über das Landesprogramm „Offene Innovation“ des DigitalHub.SH bei der WTSH.
Rund 150 Sensoren sollen demnächst in Flensburg verbaut werden – bei erfolgreicher Testphase eine mögliche Blaupause für Kommunen in ganz Schleswig-Holstein. - anymize: DSGVO-konforme KI-Nutzung (15.000 Euro)
Platz zwei und damit 15.000 Euro gehen an die anymize GmbH aus Kiel. Das Unternehmen löst eines der größten Hindernisse für den KI-Einsatz in stark regulierten Branchen: den Schutz sensibler Daten.
Die Plattform erkennt automatisch Namen, IBANs, Geburtsdaten oder Aktenzeichen in Dokumenten und Prompts, ersetzt sie durch Platzhalter, bevor sie an ChatGPT, Claude, Gemini oder andere Sprachmodelle gesendet werden – und setzt die Originaldaten in der Antwort wieder ein, sichtbar nur für die Nutzerin oder den Nutzer selbst.
Damit können etwa Anwaltskanzleien, Arztpraxen oder Beratungsunternehmen KI-Modelle nutzen, ohne gegen die DSGVO oder Schweigepflichten zu verstoßen.
Die Jury würdigte insbesondere das Potenzial für den Medizinbereich, wo der Umgang mit Patientendaten bislang viele KI-Projekte ausgebremst hat. anymize verarbeitet sämtliche Daten in ISO-27001-zertifizierten, deutschen Rechenzentren und wirbt mit Zertifizierungen wie „Software Made in Germany“. - Softstack: Sonderpreis Bildung (6.500 Euro)
Die Softstack GmbH aus Flensburg wurde für ihr Engagement im EdTech-Bereich ausgezeichnet. Mit dem Projekt „DAZ Pilot“ unterstützt das Team gezielt Schüler*innen mit Sprachbarrieren in der beruflichen Bildung, indem es berufsspezifisches Deutsch-Vokabular vermittelt und so den gleichberechtigten Zugang zu Bildung stärkt. Das Projekt wird vollständig vom Land Schleswig-Holstein über die Call-for-Concepts-Strategie finanziert und komplett open source entwickelt – Code und Projektmanagement sind von Beginn an öffentlich einsehbar.
Ein starkes Bild für die Digitalwirtschaft im Norden
Von smarter Landwirtschaft über datenschutzkonforme KI bis zu digitaler Bildung: Der Digitalisierungspreis 2026 zeigt einmal mehr, wie vielfältig und innovationsstark die Digitalwirtschaft in Schleswig-Holstein aufgestellt ist. Wir gratulieren allen Preisträger*innen herzlich und freuen uns darauf, die weitere Entwicklung dieser Projekte zu verfolgen.