Warum Webqualität heute mehr ist als „nur” gutes Design
Beitrag von Melissa Braimah, 54 Grad Software GmbH
Die Google-Fonts-Abmahnwelle als Weckruf
Die riesige Abmahnwelle rund um Google Fonts traf unzählige Betreiber*innen von Websites unvorbereitet. Auslöser war das Urteil des Landgerichts München I Anfang 2022 (Az. 3 O 17493/20): die dynamische Einbindung von Google Fonts ohne vorherige Einwilligung der Nutzer*innen wurde als Datenschutzverstoß eingestuft.
Das sorgte insbesondere deshalb für Aufruhr, da die kostenlose Nutzung und Einbindung der Schriften über die Server des US-Dienstes bis dato als gängige Praxis weit verbreitet war. Gerade vor dem Hintergrund, dass hochwertige Schriftarten häufig kostenpflichtig sind, greifen viele Website-Betreiber*innen gerne auf die Open-Source-Schriftsammlung von Google zurück. Typografie ist schließlich ein zentraler Bestandteil des Brandings und prägt den Wiedererkennungswert einer Marke.
Die gute Nachricht zuerst: Google Fonts können weiterhin verwendet werden, sofern sie selbst gehostet werden. Als problematisch im Sinne der DSGVO gelten nicht die Schriften selbst, sondern die Art der Einbindung. Werden Google Fonts dynamisch über die Server von Google geladen, wird bei jedem Seitenaufruf eine Verbindung zu Drittanbietern hergestellt. Dabei werden unter anderem die IP-Adresse, aufgerufene Seiten sowie technische Informationen zum verwendeten Browser und Gerät übermittelt. Die Datenübertragung wurde als datenschutzrechtlich relevant eingestuft und erfordert die aktive Zustimmung der Nutzer*innen. Erfolgt diese nicht, drohen hohe Geldbußen.
Da die Nutzung externer Schriften nicht sofort ersichtlich ist, kam bei vielen Website-Betreiber*innen große Unsicherheit auf. Insbesondere bei großen Seiten und mehreren Beteiligten kann eine externe Einbindung schnell unbemerkt bleiben.
Aus diesem Anlass entwickelten wir den Google-Fonts-Checker und stellen das Tool zur manuellen Prüfung kostenlos zur Verfügung. Nach kürzester Zeit verzeichneten wir über 400.000 Prüfungen auf unserer Seite. Das Prüfvolumen zeigte eines deutlich: Mit Erlass des Urteils wurde vielen erstmals bewusst, welche unsichtbaren Schwachstellen sich auf einer scheinbar guten Website verbergen können.
Für uns stellte sich nunmehr die eigentliche Frage: Welche weiteren Faktoren beeinflussen die Qualität einer Website – und welche Risiken bleiben im Alltag oft unbemerkt?
Webqualität: Ein unterschätzter Erfolgs- und Risikofaktor
Webqualität ist natürlich mehr als die bloße Einhaltung der DSGVO. Vielmehr ist sie ein multidimensionales Zusammenspiel rechtlicher, wirtschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen.
Besonders deutlich zeigt sich das derzeit beim Thema Barrierefreiheit. Mit zunehmenden rechtlichen Anforderungen – etwa durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – sind viele Websites seit 2025 verpflichtet, digitale Angebote barrierefrei zu gestalten. Unabhängig von konkreten Pflichten geht es jedoch nicht allein um Rechtssicherheit, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung. Barrierefreie Websites ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig vergrößert Barrierefreiheit den Kreis potenzieller Kund*innen und trägt somit auch zur Profitabilität einer Website bei. Somit schließt sich der Kreis einer Gestaltungslogik, von der letztlich alle profitieren.
Synergieeffekte zeigen sich auch bei anderen Aspekten wie der Nachhaltigkeit. Die Entscheidung, die Website auf einem Server mit erneuerbaren Energien zu betreiben, ist heutzutage mit kaum bis keinen Mehrkosten verbunden. Gleichzeitig profitiert die Umwelt und mit einem Badge auf der Seite, welches den nachhaltigen Betrieb zertifiziert, kann das Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens und die Marke gestärkt werden.
Zur Webqualität gehören aber auch die technischen Basics: Sicherheit, die Einhaltung aktueller technischer Standards und eine gute Performance. Der technische Fortschritt führt bei Nutzer*innen zu einer hohen Erwartungshaltung. Lädt eine Website am Smartphone länger als 3 Sekunden, verlassen 53 % der Besucher*innen die Seite wieder. Auch vermeintliche Kleinigkeiten werden viel zu häufig vernachlässigt: Funktionieren alle Links und sind alle Seiten erreichbar? Sind rechtliche Informationen wie das Impressum von allen Unterseiten aus erreichbar und läuft die Seite auch zuverlässig auf mobilen Endgeräten?
All die genannten Aspekte sind nur ein Teil dessen, was Webqualität ausmacht. Suchmaschinenoptimierung, Ladegeschwindigkeit oder Design sind wichtig, sie sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Eine wirklich hochwertige Website, betrachtet Webqualität immer als Ganzes.
Von punktuellen Checks zur systematischen Webqualität
Webqualität mit all ihren Dimensionen lässt sich im laufenden Betrieb kaum „nebenbei” sicherstellen. Die Vielzahl relevanter Aspekte – von rechtlichen Anforderungen über technische Standards bis hin zur Usability – macht eine manuelle Prüfung insbesondere bei großen Websites mit vielen Unterseiten praktisch unmöglich. Eine regelmäßige manuelle Prüfung ist wirtschaftlich meist kaum umsetzbar. Dennoch ist genau diese kontinuierliche Überprüfung entscheidend, um fortlaufend neue Risiken rechtzeitig zu erkennen.
Ohne einen systematischen Überblick bleibt Webqualität oft eher ein Bauchgefühl. Probleme werden dann erst sichtbar, wenn sie bereits Auswirkungen haben. Automatisierte Prüfungen sind daher essenziell und wir haben gemerkt: Nur der Google Fonts Checker reicht nicht aus. So entstand webrad.ar – unser rundum Qualitätsprüftool für Webanwendungen. Automatisiert und regelmäßig werden alle Unterseiten gefunden und unsere 10 Qualitätsprüfungen durchgeführt – übersichtlich mit Scores, Berichten und Handlungsempfehlungen.
Wer sich einen Eindruck über die Qualität der eigenen Website verschaffen möchte, kann webrad.ar 14 Tage kostenlos testen und mit dem Rabattcode DIWISH25 zusätzlich 25% auf alle Pläne sparen.
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