Nachbericht Fachgruppe Business & Innovation: Neue Perspektiven zu KI, Robotik und Biotech
„Alles, was wir brauchen, um die Menschheit zu vernichten“ – so ließ sich der Themenmix aus KI, Robotik und Biotech augenzwinkernd zusammenfassen.
Wie viele optimistische Möglichkeiten aber darin stecken, zeigte das Treffen der DiWiSH Fachgruppe Business & Innovation am 21. September bei Schleswig-Holstein Netz in Rendsburg.
Ein Nachmittag mit spannenden Einblicken, fundierten Diskussionen und gemeinsam entwickelten Innovationsideen.
Den Auftakt machte Prof. Dr. Ann-Kristin Cordes von der CAU Kiel mit ihrer Keynote zu Künstlicher Intelligenz und Entscheidungsfindung. Warum setzen wir den Menschen eigentlich immer als Maßstab? Welche Erkenntnisse könnte KI gewinnen, wenn sie über unsere Denk- und Wissensstrukturen hinausgeht? Und wie behalten wir dabei die Kontrolle? Ein zentraler Impuls: stärker von Möglichkeiten her denken und neue Potenziale erkunden. Dazu passt der Perspektivwechsel von „Human in the Loop“ zu „Human on the Loop“ – der Mensch überwacht und kann eingreifen, ohne jeden einzelnen Entscheidungsschritt selbst begleiten zu müssen. Die fundierten Rückfragen und die lebhafte Diskussion zeigten, wie sehr diese Fragen die Teilnehmenden beschäftigen.
Anschließend bekam die Zukunft einen Körper: Das Team um Ole Langmaack von Schleswig-Holstein Netz brachte den humanoiden Roboter Unitree G1 mit in den Raum. Carl-Hermann Soerbeer und Maxim Hansen zeigten, was ein solcher Roboter heute bereits kann und welche Entwicklungsarbeit noch vor ihm liegt. Ein anschaulicher Reality Check mit konkreten Einsatzperspektiven: von der Überwachung des Netzes bis zu Servicearbeiten in Umspannwerken – gerade auch dort, wo es für Menschen gefährlich wird.
Bemerkenswert war dabei das Bewusstsein für technologische Unabhängigkeit. Eigene Dokumentation, eigene Datenerfassung und ein lokal betriebenes Open-Weight-Sprachmodell sollen helfen, Wissen im Unternehmen aufzubauen und zu große Abhängigkeiten zu vermeiden. Ein weiterer Effekt wurde ebenfalls deutlich: Die Arbeit an solchen Technologien macht ein Unternehmen auch als Arbeitgeber attraktiv.
Vom humanoiden Roboter ging es anschließend in den Mikrokosmos. Bart Vandenbossche und Carlos Molina stellten e-nema vor: ein Unternehmen aus Schwentinental, das seit fast 30 Jahren Pionierarbeit im biologischen Pflanzenschutz leistet, weltweit aktiv ist und Menschen aus 14 Nationen im Team vereint. Im Mittelpunkt stehen Nematoden – winzige Fadenwürmer, die gezielt zur chemiefreien Bekämpfung von Schadinsekten eingesetzt werden.
Wie eng Biotech und digitale Innovation zusammenhängen, zeigte der Use Case Nemasense. Hier ging es um die Untersuchung geeigneter Klimabedingungen im Mikrokosmos, das Verfolgen von Nematoden per Joystick und die Frage, wie man auf Bildern lebende von toten Organismen unterscheiden kann. Konkrete Herausforderungen aus der Forschung, die reichlich Anknüpfungspunkte für neue Ideen boten.
Diese griffen die Teilnehmenden direkt im anschließenden Business & Innovation Shuffle auf. Mit der eigens entwickelten Methode erarbeiteten vier gemischte Teams neue Geschäftsideen und Innovationsansätze für e-nema. Wechselnde Begriffspaare sorgten für ungewohnte Verbindungen und neue Denkrichtungen. Zum Abschluss präsentierten die Teams ihre besten Ansätze in kurzen Pitches und erhielten unmittelbar Feedback von e-nema.
Den ausgebuchten Nachmittag prägten offene, interessierte Menschen, die Fragen stellten, Erfahrungen teilten und sich aktiv einbrachten.
Schleswig-Holstein Netz bot dafür einen hervorragenden Rahmen und eine konstruktive Atmosphäre.
Das viele positive Feedback bestärkt darin, dieses Format fortzusetzen.
Vielen Dank an die Gastgebenden, Vortragenden und alle Teilnehmenden!
Eine nächste Ausgabe ist bereits für Ende November geplant.