Projektabschluss Care-AI: Die wichtigsten Erkenntnisse
Drei Jahre lang hat das deutsch-dänische Interreg-Projekt Care-AI untersucht, wie Künstliche Intelligenz die Altenpflege unterstützen kann. Entstanden sind Claire, eine KI-Hilfsassistenz für die Pflege, und ein KI-Fahrplan für Pflegeeinrichtungen. Entscheidend war jedoch nicht allein die Technologie: Die DiWiSH hat ein branchenübergreifendes Ökosystem aufgebaut, das heute mehr als 40 Akteure aus Pflege, IT/KI und Wissenschaft in Deutschland und Dänemark verbindet. Dieses Netzwerk bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, fördert den Austausch und stößt gemeinsame Innovationen für die Pflege an.
Zum Projektabschluss teilt Monika Löffler, Netzwerkmanagerin für Care-AI bei DiWiSH, ihre wichtigsten Erkenntnisse aus drei Jahren Netzwerk- und Ökosystemarbeit:
Wenn mich heute jemand fragt, was die wichtigste Erkenntnis aus drei Jahren Care-AI ist, hat die Antwort überraschend wenig mit Künstlicher Intelligenz zu tun. Unsere Erfahrungen zeigen, dass wird die Herausforderungen der Altenpflege nur gemeinsam lösen können.
Pflegeeinrichtungen, Wissenschaft und Technologieunternehmen bringen unterschiedliche Perspektiven ein, die sich ergänzen: Pflegekräfte kennen den Alltag und die Bedürfnisse von Bewohner*innen und Mitarbeitenden. Wissenschaftler*innen analysieren komplexe Zusammenhänge und bewerten Lösungen. Unternehmen entwickeln Technologien, die neue Möglichkeiten eröffnen.
Jede dieser Perspektiven ist wichtig. Wirkliche Innovation entsteht jedoch erst dann, wenn sie zusammenkommen.
Ein Raum für gemeinsame Lösungen
Genau deshalb war Care-AI nie nur ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Es war der Versuch, einen Raum zu schaffen, in dem Pflege, Wissenschaft und Technologie miteinander lernen und eine gemeinsame Sprache entwickeln können.
Denn selbst die beste technologische Lösung schafft keinen Mehrwert, wenn sie an den Bedürfnissen der Praxis vorbeigeht. Umgekehrt bleiben viele Herausforderungen ungelöst, wenn sie im Pflegealltag nicht sichtbar gemacht und so beschrieben werden, dass Forschung und Technologieanbieter daran arbeiten können.
In den vergangenen drei Jahren ist rund um Care-AI ein Ökosystem mit mehr als 40 Projekt- und Netzwerkpartnern aus Deutschland und Dänemark entstanden. Pflegeeinrichtungen, Start-ups, Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Multiplikatoren haben sich kennengelernt, Erfahrungen geteilt und gemeinsam neue Ideen entwickelt.
Was daraus langfristig entsteht, lässt sich heute noch nicht vollständig messen. Einige Erfolge sind jedoch bereits sichtbar.
Eine Anfrage, ein Telefonat, ein Match
Wie schnell dieses Netzwerk wirken kann, zeigte sich im Sommer 2025. Das KI-Startup Splitbot suchte für einen Projektsprint Praxispartner aus Medizin oder Pflege. Nach einem Anruf bei D&S Unsere Pflege und fünf Minuten Austausch mit der Geschäftsführung stand das Go für die Vernetzung.
In knapp vier Wochen implementierten die beiden Partner einen Pflege-Chatbot im Pflegeheim und stellten ihren Use-Case bei der KI-Landeskonferenz in Lübeck vor.
Aus der Zusammenarbeit ist ein Folgeprojekt entstanden: Im September starteten Splitbot und die D&S Eckernförder Tages- und Dauerpflege GmbH gemeinsam mit dem DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) Lübeck das Projekt Care-WISE. Ziel ist die Entwicklung eines KI-gestützten Assistenzsystems, das gezielt auf die Anforderungen des Pflegealltags ausgerichtet ist.
Für mich ist das ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die richtigen Menschen zur richtigen Zeit zusammenfinden. Nicht die Technologie steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Verbindung zwischen Menschen, die ein gemeinsames Problem lösen wollen.
Ausgezeichnete Netzwerkarbeit
Dass der interdisziplinäre Netzwerkansatz über das Projekt hinaus Anerkennung findet, zeigte sich im Juni 2025. DiWiSH und das Care-AI-Ökosystem wurde mit dem ClusterERFOLG 2025 ausgezeichnet und in Berlin mit dem Goldenen Buddy Bear der Initiative go-cluster geehrt.
Die Auszeichnung ist für mich weit mehr als eine Anerkennung einzelner Projektergebnisse. Sie bestätigt die Bedeutung dessen, was häufig im Hintergrund geschieht: Menschen zusammenzubringen, Vertrauen aufzubauen und Räume für Zusammenarbeit zu schaffen.
Gerade in Zeiten tiefgreifender technologischer Veränderungen werden solche Verbindungen immer wichtiger.
Die wichtigsten Erfolge liegen oft in der Zukunft
Wenn ich heute auf Care-AI zurückblicke, bin ich stolz auf die sichtbaren Ergebnisse: auf Claire, auf den KI-Fahrplan und auf die vielen Veranstaltungen, Workshops und Diskussionen.
Ab meisten bedeuten mir jedoch die Beziehungen, die entstanden sind.
Denn Netzwerke wirken nicht immer sofort. Manche Kooperationen entwickeln sich innerhalb weniger Wochen. Andere brauchen Zeit. Vertrauen muss wachsen, gemeinsame Interessen müssen sichtbar werden und manchmal muss erst der richtige Zeitpunkt kommen.
Deshalb bin ich überzeugt, dass einige der spannendsten Auswirkungen von Care-AI erst in den kommenden Monaten oder Jahren sichtbar werden.
Der nächste Schritt: Care-AI 2.0
Die im Care-AI-Ökosystem entstandene Zusammenarbeit soll mit einem möglichen Folgeprojekt fortgeführt werden. Unter dem Arbeitstitel Care-AI 2.0 wird derzeit ein Konzept entwickelt, das Claire über einen längeren Zeitraum unter realen Bedingungen in der Altenpflege erproben soll.
Das Vorhaben würde an die Beziehungen, das gemeinsame Wissen und das Vertrauen anknüpfen, die in den vergangenen drei Jahren zwischen Pflegepraxis, Wissenschaft und Technologieunternehmen gewachsen sind.
Für mich zeigt bereits die gemeinsame Planung: Mit dem Ende der geförderten Projektphase endet die Zusammenarbeit nicht. Das Care-AI-Ökosystem hat eine Perspektive über das Projekt hinaus – und damit die Chance, die Zukunft der Altenpflege weiterhin gemeinsam zu gestalten.
Monika Löffler
Netzwerkmanagerin Care-AI bei DiWiSH
Care-AI wird gefördert durch Interreg Deutschland-Danmark